Es fängt harmlos an. Man kauft ein schönes Notizbuch oder lädt eine App herunter. Man richtet Kategorien ein. Viele Kategorien. Lebensmittel, Drogerie, Restaurants, Takeaway, Kaffee unterwegs, Kaffee zu Hause – irgendwo zwischen Zeile acht und neun beginnt das Problem.
Denn irgendwann kommt eine Ausgabe, die sich nicht eindeutig zuordnen lässt. Der Einkauf im Supermarkt, bei dem auch ein Putzmittel dabei war. Das Mittagessen mit einer Kollegin, das halb privat, halb beruflich war. Was jetzt?
Für Menschen mit perfektionistischen Tendenzen ist das kein kleines Problem. Es ist ein Systemfehler. Das Haushaltsbuch ist nicht mehr vollständig korrekt. Also ist es wertlos. Also lässt man es liegen.
Was mich an diesem Muster fasziniert: Es ist nicht Faulheit. Es ist ein zu hoher Anspruch an Genauigkeit. Die Person, die aufhört zu tracken, tut das oft, weil ihr Qualitätsanspruch so hoch ist, dass ein unvollkommenes System als nicht-funktionierend wahrgenommen wird.
Was ich stattdessen beobachtet habe: Wer akzeptiert, dass eine Ausgabe manchmal in zwei Kategorien passen könnte und man trotzdem einfach eine wählt, kommt weiter. Nicht weiter im Sinne von finanzieller Kontrolle – sondern weiter im Sinne von Kontinuität.
Eine grobe, unvollkommene Aufzeichnung über sechs Monate gibt mehr Einblick als ein perfektes System, das nach zwei Wochen aufgegeben wird. Das klingt banal. Es fühlt sich aber für viele Menschen trotzdem falsch an.